Moralische Bedenken

15. 5. 2019

       

Zeit für eine weitere Geschichte aus Afrika!

Am Gare routiere in Dakar, herrschte schon in diesen frühen Morgenstunden ein wildes Durcheinander. So kam es mir zumindest vor als wir dort ankamen. Es wimmelte von Menschen, Frauen mit ihren Babys auf dem Rücken, müde Kinder die verschlafen am Rockzipfel ihrer Mütter hingen. Jüngere Frauen, ältere Frauen, ältere Männer, junge Männer, eilige Geschäftsleute, Händler, Händlerinnen mit ihren Waren.

Eines hatten sie jedoch gemeinsam. Was mir sofort auffiel, sie alle waren schön gekleidet, standen oder sassen anmutig herum und warteten geduldig auf einen Platz im Sept-Places oder im Buschtaxi.

Ich staunte dass so viele Menschen so früh schon verreisen wollten. Wo die wohl alle hin mussten? Überlegte ich wohl laut, denn Abdou meinte, "ich habe es dir doch gesagt, der frühe Morgen ist die angenehmste Zeit zum Reisen, bevor es immer heisser wird im Laufe des Tages", warts nur ab grinste er.

Die Sept-Places und Buschtaxis sind um diese Zeit begehrt und fahren in alle Richtungen von Senegal, sogar bis nach Gambia, Guinee Bissau und Guinee Conakry.

Was für mich wie ein heilloses Durcheinander aussah, schliesslich kam ich aus der "ordentlichen" Schweiz, war das hier ein richtig gut durchorganisiertes System von Autos und Bussen, das ganz klar bestimmte wo, auf welchem Gate sozusagen ein- und ausgestiegene werden musste um an den gewünschten Reise-Ort zu gelangen. Abdou kannte sich hier wirklich gut aus, auch unser Taxichauffeur, der uns hierher gebracht hatte, wusste sofort, wohin er uns fahren musste auf diesem riesigen Busbahnhof. Jede Destination hatte ihr eigenes Gate.

Abdou bekam im Handumdrehen zwei Tickets in einem Sept-Places nach Ziguinchor. Der Chauffeur des Autos, ein grosser, schlanker Senegalese mittleren Alters, auch er war schön gekleidet. Er trug einen dunkelblauen Boubou mit weissen Borden am Kragen und ums Handgelenk. Er sah wirklich sehr gut aus, überhaupt machte er einen guten Eindruck. Was mich beruhigte einen seriösen Chauffeur zu haben, wenn ich mir manchmal die Autos so anschaute. "Bonjour Madame, ca va", begrüsste er mich freundlich. "Guten Tag, ja es geht gut und ihnen?", grüsste ich zurück.

Nach einigem Hin und Her mit meinen grossen Koffern, beschlossen die  Männer sie aufs Dach zu hieven. Es befanden sich schon einige Gepäckstücke oben und ich sah interessiert zu, wie auch mein Gepäck da oben verstaut wurde.

Im Sept-Places gab es noch zwei freie Plätze zu vergeben, so blieb ein wenig Zeit für ein Frühstück. Ich freute mich, denn vor lauter früh aufstehen hatte ich gar keine Zeit mehr gehabt einen Kaffee zu trinken. Abdou bot mir an uns einen Kaffee zu organisieren, ich gab ihm einige CFAs mit und bevor er im Gewühl verschwinden konnte, rief im ihm nach ob er noch Sandwiches mitbringen könnte.

Während Abdou sich ums Frühstück kümmerte, kam ich mit dem Chauffeur ein wenig ins plaudern. In einem guten Französisch wollte er wissen woher ich kam und was ich hier machte, und, ob Abdou mein Ehemann wäre. Ich verneinte beim Ehemann, verdrehte innerlich die Augen und musste grinsen, das schien hier wirklich wichtig zu sein. Schon die ganze Woche die ich hier in Dakar verbracht hatte, wurde ich x-Mal nach meinem Ehemann gefragt und bekam auch gleich mehrere Heiratsanträge.

Ich fuhr fort und sagte ihm das ich aus der Schweiz kommen würde. "Warum ich denn in die Casamance reisen wollte", fragte er weiter, "ich solle doch lieber hier im Norden bleiben." "Was soll ich denn hier im Norden", fragte ich ihn. Er neigte seinen Kopf ein wenig näher zu mir, "Die Casamance ist gefährlich", flüsterte er mir zu. "Ah ja", ich schaute ihn erstaunt und fragend an. Stirnrunzelnd schaute er mich an. "Tu sais pas?" "Nein, was sollte ich denn wissen", wollte ich jetzt sehr neugierig und hellwach geworden von ihm wissen. "Du weisst es wirklich nicht, bist du das erste Mal hier?" wiederholte er die Frage noch einmal.

"Ich bin das erste Mal in Dakar aber nicht das erste Mal in der Casamance",  gab ich ihm zur Antwort. "Und übrigens wohnt mein Mann in der Casamance." "Ah du bist verheiratet?" Das gefiel ihm und es schien ihn zu beruhigen. Doch bei mir schlich sich eine leichte Unruhe ein, und ich wollte wissen, warum den die Casamance gefährlich sein sollte.

"Dort gibt es Geister, hat dir das dein Mann nicht gesagt?" Er blickte mich fragend, fast entrüstet an und bevor er weiterreden konnte, kam Abdou schon mit dem Frühstück zurück.

Auch ein neuer Fahrgast kam dazu und der Chauffeur musste sich nun um diesen kümmern. Abdou gab mir das restliche Geld zurück, das ich gleich im Rucksack verstaute. Schon drückte er mir den Kaffee und ein Sandwich mit Ei und Mayonnaise in die Hände. Ich stellte den Rucksack zwischen meine Beine und nahm genussvoll einen Schluck heissen Kaffee. "Was ist das denn, Zuckerwasser?" Ich die nie Kaffee mit Zucker trank, bekam fast einen Zuckerschock so süss schmeckte dieses Getränk. Abdou lachte sich halb tot. "Ah bon", war seine Reaktion, "Tu aimes pas?"

"Es geht so, ich musste mich wohl einfach daran gewöhnen", antwortete ich ihm. Dafür schmeckte das Ei-Sandwich hervorragend und ich verschlang es freudig mit grossem Appetit.

Vor lauter süssem Kaffee, vergass ich aber ganz die Geister die es angeblich in der Casamance geben sollte, von denen der Chauffeur gerade eben noch geredete hatte.

Der schien jetzt auch ganz anderweitig beschäftigt zu sein, denn während Abdou und ich frühstückten, kam ein weiterer Fahrgast dazu, der die letzte Lücke im Sept-Places füllte. Dann können wir ja los freute ich mich.

Doch der letzte Fahrgast brachte ein Ziege mit, die nun noch aufs Autodach gebunden werden sollte. "Ah ja, die muss da rauf?" Das konnte ich mir nun beim besten Willen nicht vorstellen. Das geht doch gar nicht? Und ob das ging, bevor ich meine moralischen Bedenken laut ausgesprochen hatte, landete die Ziege Schwupp die Wupp auch schon auf dem Dach. An den Beinen zusammengebunden, eingepfercht zwischen Gepäckstücken.

Mein Gewissen meldete sich natürlich sofort und meine Moral liess mich nicht in Ruhe, so meinte ich besserwisserisch, "das geht doch nicht!"

Nur interessierte meine Meinung gar niemanden, denn, "das wird hier so gemacht", versicherte  mir Abdou, als er meinen entsetzten Blick sah. "Monika, c`est comme ca ici." 

Zeit für Geschichten...

Wenn Du Geschichten liebst wie ich...

Wenn Du sogar selber eine Schreiben möchtest...

Wenn du nicht weisst, wo genau Du anfangen musst...

Wenn Du DEINE Geschichte schreiben möchtest...

Oder ein Kapitel in deinem Leben genauer unter die Lupe nehmen möchtest...

Wenn Du denkst Deine Geschichten seien nicht spannend, wichtig oder interessant genug....

.... dann bist Du bei mir richtig.

Aus meinem eigenen Lebens- und Schreib- Prozess heraus weiss ich, wie wertvoll es ist jemanden zu haben der einem beisteht, der einem sieht, wenns dunkel wird, wenn die Zweifel viel zu laut schreien, wenn Du Dich alleine fühlst....

Storytelling Ein wundervolles Angebot um kraftvoll in Deinen Lebens- und/oder  Schreibfluss einzutauchen um wieder klarer zu werden und zu wissen wo Du wirklich hin willst.... Was Dein nächster Schritt ist

Ich wünsche Dir eine bunte Frühlings Woche...

Und übrigens; meine Bilder gibt's jetzt auch als Fotografien in von Dir wählbaren Grössen :-)

 

Herzlichst Monika