Am Anfang war das Wort

9. 7. 2019

       

Lust auf eine Geschichte ....

Sprachen lernen auf afrikanisch ;-)

Ich holte ein Buch aus meinem Koffer und legte mich in die Hängematte unter dem schattigen Mangobaum. Doch sogar zum Lesen war es zu heiss, also liess ich es sein und träumte vor mich hin.
Schon stand Mady neben mir und sagte ganz begeistert: "Jetzt wird Wolof gelernt Monika, das musst du können."Ja das stimmte und ich freute mich darauf, irgendwann Wolof sprechen zu können.

Die Sonne brannte vom Himmel, und ich war froh um diesen lauschigen Schattenplatz, doch das Lernen strengte mich an, es war keine Sprache, die man mal so nebenbei lernte. Und ich brauchte ein Heft, ich musste mir die Wörter aufschreiben, ich musste sie sehen, damit sie sich eines Tages in meinen Kopf einprägen würden.

Ich wollte gerade aufstehen, um mein Tagebuch aus meinem Zimmer zu holen, als Mady erstaunt sagte: "Was willst du denn aufschreiben?"
"Ja die Wörter, damit ich sie lernen kann", entgegnete ich.
"Aha." Er nickte nur mit dem Kopf. "Ich kann nicht schreiben", gab er mir zu verstehen.
"Aber du kannst lesen?" wollte ich wissen.
"Nein, Monika, ich habe immer gearbeitet, ich habe keine Zeit für die Schule gehabt."

Ich konnte mir gar nicht vorstellen, nicht, in die Schule zu müssen.
Aber seinen Job als Gärtner machte er ausgezeichnet, ohne Schule und ohne Lehre. Er war auch nicht der Einzige, der hier nicht lesen und schreiben konnte.

Aber ich mochte ihn, er war sehr hilfsbereit, manchmal sogar ein wenig übereifrig, aber wenn er mich nervte, konnte ich es ihm  sagen, und er war stets freundlich, immer fröhlich und respektvoll. Er hatte etwas Unschuldiges an sich, fast wie ein Kind.

Er hätte die Koranschule besucht; erklärte er mir stolz.
Da hatte ich jetzt keine Ahnung, vielleicht war das etwas ähnliches wie bei uns die Sonntagsschule oder der Religionsunterricht? Ich ging nicht näher darauf ein, holte Papier und Bleistift und legte mich wieder in die Hängematte.

Auf dem Boden stand ein kleiner Messing-Ofen, gefüllt mit Kohle, um das Feuer zu machen, und den obligaten Ataya zuzubereiten. Mady fächerte mit einem  Plastikdeckel immer wieder Luft dazu, damit sich die Kohle entzünden konnte. Und, er erklärte mir jede Handbewegung auf Wolof.
Ich verstand natürlich kein Wort. Einiges konnte ich mir zusammenreimen. Doch ich wollte erst einmal Wörter und Sätze lernen, die ich anwenden und brauchen konnte, wie zum Beispiel: "Es ist heiss, oder kalt, oder kochen, essen, sitzen ..." Mady verstand und ich schrieb fleissig mit. Ich musste oft herzhaft lachen , so eine ganz andere Sprache hatte ich noch nie gelernt. Für mich die reinsten Zungenbrecher.

"Mais Monika, cèst facile, cèst très facile", lachte er mich aus. "Das ist überhaupt nicht einfach", rechtfertiget ich mich.
Na warte, das wirst du büssen, dachte ich, und kramte das wahrscheinlich, fieseste und schwierigste schweizerdeutsche Wort hervor das es überhaut gab. "Chuchichäschtli."
"Was?", wollte er überrascht wissen. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Jetzt lachte ich und sagte süss, zu ihm, "Mady, das ist doch ganz einfach."
Aber netterweise erklärte ich natürlich noch, was genau dieses Wort heissen würde, jetzt mussten wie beide lachen und wir hatten einen unglaublich lustigen Nachmittag ...

Vorschau:

Im Herbst, wenn es wieder mehr nach Innen geht, tauchen wir ein, ins Reich der Seele, finden versteckte Schätze, erleben geheimnisvolle Abenteuer, tauchen nach Perlen, treffen unsere Ahnen, reisen zu den Drachen, in fremde Galaxien, in ferne Länder ... !

       

Ich mag es mit Worten zu spielen, so ist mein Buch entstanden ...

Einfach schreiben, ohne Punkt und Komma ...

Einem Impuls folgen ...

Startschuss! August ... Ich halte dich auf dem Laufenden :-) und freue mich jetzt schon!

Am Samstag den 13. und am Donnerstag den 18. Juli, jeweils um 19 Uhr Vortrag "Glaubenssätze auf afrikanisch" hat noch Plätze frei.

Eine wundervolle, sommersonnige freudichzeit.

Von Herzen Monika