Klopapier

21. 3. 2020

Eine kleine Geschichte aus meinem Buch ...

        

An der Grenze zwischen Gambia und Senegal

Hoffentlich dauert das nicht ewig. Aber ich war froh über diesen Stopp, denn ich musste dringend aufs Klo.

Während Papis mit dem Mann verhandelte, sassen wir am wärmenden Feuer die Nacht hatte merklich abgekühlt.

Mir wurde schnell wohlig warm und ich fragte den Beamten auf Englisch, wo sich die Toilette befände. Er stand auf und machte mir mit einer auffordernden Geste klar, dass ich mitkommen sollte. Ich schaute fragend zu Ousman, doch der nickte nur, und ich nahm das als gutes Zeichen. Also ging ich mit dem Mann, der mir im Gehen auf Englisch den Weg erklärte oder, besser gesagt, deutete er mit einer Handbewegung in eine Richtung irgendwo hinter die Baracke. Er drückte mir einen kleinen, farbigen mit Wasser gefüllten Plastikkübel und eine brennende Kerze in die Hände.

"Dahinten", sagte er.

Ja, das hatte ich verstanden, nur was ich mit dem Wasserkübelchen anfangen sollte, war mir nicht ganz klar. Der Beamte schien das zu bemerken und zeigte noch einmal mit der Hand in Richtung Gebüsch.

"Go!", sagte er bestimmt.

Ist ja schon gut, ich ging ja schon.

Ein schmaler, sandiger Pfad führte mich direkt in den Busch und ich musste gut aufpassen, wohin ich trat. Es war dornig am Wegrand, stockfinster und ziemlich unheimlich. Die Kerzenflamme flackerte im Abendwind und warf gespenstische Schatten auf den vor mir liegenden Weg. Gleichzeitig war ich damit beschäftigt, zu schauen, das der Wind die Flamme nicht ausblies. Denn sonst hätte ich überhaupt nichts mehr gesehen. Ob es hier Schlangen gab? Nein, sicher nicht, beruhigte ich mich selbst.

Und da ich ja sowieso dringend pinkeln musste, blieb mir wenig anderes übrig, als einfach weiterzugehen und so schnell wie möglich das Örtchen zu finden. Tapfer folgte ich dem Trampelpfad in der Dunkelheit. Im Gepäck hätte ich eine Taschenlampe, kam mir in den Sinn.

Nach wenigen Schritten erblickte ich endlich im Schein der Kerze einen kleinen Bretterverschlag. Könnte das das Klo sein?

Es hatte keine Tür, nur ein Vorhang hing vor der Öffnung. Ich ging mutig hinein und ja, es war eine Toilette oder wenigstens so etwas Ähnliches. Es roch jedenfalls wie eine.

Im Kerzenlicht sah ich zwei Backsteine auf dem nackten Lehmboden liegen, dazwischen hatte jemand ein tiefes Loch ausgehoben . Einige Kakerlaken flitzten im Kerzenschein eilig davon. Es schauderte mich kurz und ich fühlte mich ein wenig unbeholfen. Doch der Drang zu pinkeln war grösser. Ich musste bei dem Gedanken, wie ich hier wohl pinkeln sollte, grinsen. Ich drehte die Kerze, so gut es ging, in den Sand, sodass sie nicht kippte und ausging, stellte den Wasserbehälter auf den Boden und so kauerte ich auf den beiden Steinen in dieser Bretterbaracke, ohne Tür und ohne Dach. Ja, da sass ich also auf einem Donnerbalken irgendwo in Afrika, lauschte dem nächtlichen Zirpen der Grillen und über mir leuchtete ein diamantfunkelnder Sternenhimmel. Es schauderte mich wieder, doch nun vor Freude. Ich fühlte mich so gut und so leicht wie schon lange nicht mehr in meinem Leben. Und da ich nirgendwo Klopapier sah, konnte ich mir langsam vorstellen, wozu das Wasser gedacht war. ;-)

Die Quintessenz von der Geschichte ist; wenn dir in dieser verrückten Zeit einmal das Klopapier ausgehen sollte ... Nimms mit Humor. Wasser tuts auch ... Ich habe es über mehrere Jahre getestet :-)

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