Heilung auf Afrikanisch

14. 4. 2021

    Aus meiner Afrikanischen Geschichten-Schatzkiste ...         

            

Seit geraumer Zeit plagte mich eine ca. Zweifranken-Stück grosse Wunde am Rücken, unterhalb der linken Schulter. Meistens mitten in der Nacht weckte mich ein penetranter Juckreiz und ich musste regelmässig aufstehen, um mich zu kratzen. Ich versuchte den Juckreiz mit Homöopathie zu lindern. Vergeblich. Also besorgte ich mir bei José in der Bar Alkohol um die offene Stelle, die durch das Kratzen entstanden war zu desinfizieren und hoffte damit auch gleich den Juckreiz zu stoppen. Ich probierte es mit Wodka, Whiskey und Gin. Leider half auch das nichts. Die kreisrunde Stelle wurde zwar nicht grösser, aber auch nicht kleiner, auch hatte ich fast keine Schmerzen, nur einen unsäglichen Drang mich an dieser Stelle zu kratzen, so furchtbar juckte es. 
"Du musst zum Heiler", wurde mich empfohlen, als auch nach längerer Zeit keine Besserung eintrat und ich immer genervter wurde.

"Gut", es kann ja nur noch besser werden und so begaben wir uns am Sonntagmorgen, mit dem Fahrrad ins Nachbardorf, wo dieser Heiler wohnte. Auf dem Hof des Mannes angekommen, wurden wir von einer Horde Kids willkommen geheissen. "Toubab, Tangal!", waren ihre Begrüssungsworte. Was soviel hiess wie, (Weisse, Süssigkeiten). Wohlweislich hatte ich einige mitgenommen. Als sie diese bekommen hatten, rannten sie in alle Richtungen davon um sie zu verschlingen. Vom Lärm aufmerksam geworden, trat ein kleiner Mann in einem cremefarbenen Boubou, in den Hof. Er war sicher der Heiler. Malick wechselte nach der Bergrüssung ein paar Worte mit ihm, die ich nicht verstand. Wahrscheinlich erklärte er ihm den Grund für unser Kommen.

Er bat uns Platz zu nehmen und schaute sich mein Belangen an. "Ah oui, oui", wiederholte er mehrere Male und stellte mir dann einige Fragen, die ich mit Ja oder Nein und einigen Erklärungen beantwortete. Er nickte meistens mit dem Kopf und sagte wieder: "Ah oui, oui." Dann meinte er plötzlich, "im Dorf reden sie hinter deinem Rücken."
"Ok?", tönte es ganz erstaunt aus meinem Mund, damit hatte ich nicht gerechnet. 
"C`est pas bon", fuhr er fort. 
Nein das war nicht gut. Doch was sollten die über mich reden? So spannend war mein Leben nun auch wieder nicht.
"Sie sind eifersüchtig", mischte sich Malick ein und der Heiler nickte nur. 
"Ja das ist hier so, du musst dich schützen."

Er holte einen Besen, zupfte einige Halme heraus, zerbrach sie und legte sie auf meine Wunde, murmelte Worte vor sich hin, die ich nicht verstand, machte ein paar wegwischende Bewegungen, nahm alles wieder weg, spuckte die Halme an, warf sie auf den Boden und wiederholte das Prozedere noch zwei weitere Male mit frischen Halmen. Danach verbrannte er die bespuckten Besenhalme auf dem Boden.

Weiter erklärte er mir, dass ich etwas zum Waschen bräuchte, etwas das mich Schützen würde und ich alles am Abend abholen könnte. Ich bezahlte die bis dahin durchgeführte Behandlung, um am Abend erneut zurück zu kommen ...

Nach dem siebzehn-Uhr-Gebet, machten wir uns wieder auf den Weg zum Heiler um das Heilwasser, welches er angesetzt hatte abzuholen. Es bestand aus Blättern, Wurzeln und wer weiss was sonst noch alles drin war, feinsäuberlich abgefüllt in einer anderthalb-Liter Plastikflasche. Das ganze kostete mich glatt noch einmal eine Summe Geld, doch das konnte ich verkraften, Hauptsache es half.

Nach den Anwendungsinstruktionen machten wir uns auf den Heimweg. Ich war gespannt wie ein Pfeilbogen und wünschte mir nichts sehnlicher, als endlich Heilung. 
Wie mir geraten wurde, gab ich nun täglich einige Spritzer des Gebräus ins Waschwasser. - Und, tatsächlich es begann schnell Wirkung zu zeigen. Der Juckreiz verringerte sich spürbar und die Wunde wurde immer kleiner. Wow, ich war begeistert. Malick riet mir auch, nicht mehr so häufig ins Dorf zu gehen und wenn, dann immer ein Tuch über die Schultern zu tragen, welches die immer noch ein wenig sichtbare Stelle abdeckte. Ich fand das eher merkwürdig, doch ich konnte damit leben, wenn es denn zur Heilung beiträgt, also warum nicht und ich hatte viele schöne Tücher, die ich gerne benutzte. Auf meine Frage wofür das gut sei, meinte Malick nur: "Sie reden."

Na dann!

Die Flasche wurde leer und die Wunde war trotz täglicher Waschung, guter Fürsorge und fast nicht mehr ins Dorf gehen, noch nicht ganz abgeklungen und begann auch wieder leicht zu Jucken. 
"Hmmm", was nun? Also wieder zum Heiler? ... Ja, und so standen wir bald wieder bei diesem im Hof und er wiederholte das Prozedere von Neuem. Diesmal jedoch, riet er mir nebst Waschung, zusätzlich einen Grigri, den ich am linken Oberarm tragen sollte. Also ging ich mit Malick zu einem Marabout, welcher mir einen solchen anfertigte. Und, ich beschloss nach Anraten von Malick, überhaupt nicht mehr ins Dorf zu gehen. 

Auch bei diesem Genesungsversuch, ging es eine Weile gut. Leider aber nur wieder für kurze Zeit, dann kam der Juckreiz und die Wunde wollte sich nicht schliessen. Es war zum Verzweifeln, demotiviert ging ich erneut zum Heiler.

"C`est pas bon, non, non, non, c`est pas bon", wiederholte er sich andauernd. "Nein es ist wirklich nicht gut", sagte ich wütend. "Was soll ich denn noch machen?"

"Le Bleu, erklärte er mir. "Das wird dir sicher helfen", fuhr er weiter ... "Ach ja?" Ich schaute ihn fragend an, denn das war ein Waschmittel, welches man für weisse Wäsche benutzte, damit sie schön weiss blieb. War das sein voller Ernst? Hmmm ... Ich spürte wie Wut und Widerstände in mir aufstiegen, aber auch der innige Wunsch endlich diesen plagenden Juckreiz loszuwerden. Ich schaute ihn skeptisch an, dann blickte ich zu Malick, und beide schienen sich einig zu sein. Denn sie nickten zustimmend. 

Ich blieb ungläubig als wir auf dem Rückweg, in einer Boutique ein Beutelchen "Le Bleu" kauften ...

Nun kannst du dreimal raten was passierte ... Ja, genau. - Drei Tage lang, morgens und abends rieb mir Malick dieses blaue Pulver auf und um die Wunde. Und ja, es brannte höllisch, doch - es half. Nach drei Tagen war der Juckreiz weg, die Wunde nach einer Woche zu und kam niemals wieder. 

... Und! - hinterliess nicht einmal eine Narbe! - Heilung auf Afrikanisch :-)

Das war jetzt die Kurzfassung. In meinem nächsten Buch schreibe ich ausführlicher über solche Erlebnisse und sonstigen Ereignisse und Erfahrungen. 

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Und hier geht es zum Buch "Hinter den Kulissen tanzen die Geister" über Geld, Glaube und Magie auf Afrikanisch