Hinter den Kulissen tanzen die Geister

12. 5. 2021

Die Fetischpriesterin

         

Nach einem abendlichen Streit mit Malick, verschwand mein Handy spurlos. Bis wir das jedoch bemerkten, war es morgen geworden. Für mich war der Fall sofort klar, ich hatte es vor lauter Drama draussen liegen lassen und so wurde es wahrscheinlich in der Nacht gestohlen. Malick sah das genau so und hatte auch gleich einen Schuldigen. Er schob die Tat unserem Nachbar Abdoulaye in die Schuhe und sagte ihm das noch vor dem Frühstück geradeaus ins Gesicht. Wie er darauf kam, war mir nicht ganz klar, doch Malick hatte so seine ganz eigenen Definitionen, von, warum etwas so ist wie es ist. 

Logischerweise wurde der Nachbar ziemlich wütend, was ja auch kein Wunder war, bei solchen Anschuldigungen und stritt natürlich alles ab. Malick jedoch war felsenfest überzeugt von seinen Behauptungen und erfand die haarsträubendsten Geschichten dazu. Es kam soweit, dass Abdoulaye zum Chef de Village ging, um uns anzuzeigen. Ja, auch mich, denn es handelte sich um mein Handy, welches verschwunden war und ich auch gerne wieder zurück haben wollte. Aber sicher nicht auf diese Weise und hoffte, wir könnten das unter uns regeln. Schliesslich war ja nicht bewiesen, dass der Nachbar es hatte.

Zu spät. Der Dorfchef kam und es wurde den ganzen Morgen verhandelt und gestritten, leider ohne befriedigendes Ergebnis. Da sich die Männer nicht einigten, erklärte der Dorfchef, dass wir eine Busse bezahlen und mit einer Strafe rechnen müssten, wenn weiterhin ungeklärte Anschuldigungen gemacht würden.
Darauf hatte ich nun wirklich keinen Bock und Malick versetzte es noch mehr in Rage, so überzeugt war er von des Nachbarn Schuld. 

"Lass gut sein.", versuchte ich ihn zu beruhigen. Ohne Erfolg! Er wollte nicht einsehen, dass er auch im Unrecht sein könnte und kam wieder mit seinen `die anderen sind Eifersüchtig- und Neidisch-Geschichten hervor`, die mir langsam aber sicher auf den Sack gingen. Er verstrickte sich so sehr in diese Story hinein, dass sie fast glaubwürdig wurde.
Wütend meinte er: "Du hast keine Ahnung wie schlecht die Leute hier sind." Weiter erklärte er, dass er nun das Problem `senegalesement` regeln würde. Was er genau damit meinte, war mir nicht ganz klar. Doch seine Lösungen waren immer sehr kreativ und erfinderisch. Bei meinem nachhaken, erzählte er mir von einer Fetischpriesterin, die er aufsuchen wollte. Ich wurde hellhörig. Bei einer Fetischpriesterin war ich noch nie. Hatte ich doch Bekanntschaft mit Heilern und Marabouts gemacht, fehlte mir diese Erfahrung. Ich wurde immer neugieriger und wollte mehr darüber wissen. 

Malick tat geheimnisvoll bei seiner Geschichte und sagte, er müsse die Frau zuerst ausfindig machen, da sie in einem anderen Dorf lebe und er keine genaue Adresse habe. Natürlich fand er das ruck zuck heraus, schliesslich wollte er ja beweisen, dass Abdoulaye das Handy geklaut hatte. Also plante er eine Reise für den nächsten Tag ins Dorf der Fetischpriesterin ...

Fortsetzung folgt ...

Mehr Geschichten aus meinem Leben in Afrika findest du im Buch "Hinter den Kulissen tanzen die Geister" Über Geld, Glaube und Magie auf Afrikanisch

Viel Freude beim Lesen!

Herzlichst Monika

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